Kolumne III - Freiheit

Jeder will frei sein, doch viel zu oft sind wir – bewusst oder auch unbewusst – fremdgesteuert oder in den Erwartungen der Gesellschaft gefangen.

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Freiheit ist ein grosses Wort. Duden hat eine sehr passende Beschreibung:

«Zustand, in dem jemand frei von bestimmten persönlichen oder gesellschaftlichen, als Zwang oder Last empfundenen Bindungen oder Verpflichtungen, unabhängig ist und sich in seinen Entscheidungen der Ähnlichem nicht eingeschränkt fühlt.»


Für mich gehören dafür Dinge dazu wie: Das sagen zu dürfen, was ich denke. Das tun zu können, was für mich stimmt. Mit Menschen meine Zeit zu verbringen, die ich mir selber aussuche. Niemandem gerecht werden zu müssen. Andere Meinungen anhören zu können, aber nicht für dieselben brennen zu müssen. Nicht nach «Gesellschaftsmustern» leben zu müssen. Jetzt eine Entscheidung zu treffen und im gleichen Moment dafür loszugehen. Nicht an meinen Besitz gebunden zu sein. Die eigene Meinung durch Erlebtes immer wieder überarbeiten zu können. Andere Menschen nicht für mein eigenes Glück verantwortlich zu machen. Mein authentisches, echtes Ich ohne Grenzen zu leben und die Welt so zu sehen, wie ich sie sehen will. Oder auch hier das schreiben zu können, was und wie ich fühle. So definiere ich Freiheit für mich, ich könnte noch einiges anfügen, aber für den Anfang reichts. Hast du dir auch schon Gedanken darüber gemacht, was Freiheit für dich bedeutet?


Bei einem Event vor einiger Zeit lauschte ich einem Lied. Immer wieder hiess es im Refrain: «Liebe oder Freiheit». Ich habe in mich hineingelacht und mir meine eigenen Gedanken dazu gemacht. Das «oder» dabei hat mich sehr gestört. Die Vorstellung, dass zwei der schönsten Dinge im Leben einander berauben sollten, finde ich sehr paradox. Deswegen hat mich das auch so nachdenklich gemacht. Dieser Aussage kann ich einfach nicht zustimmen. Wer das Buch «Wahre Liebe lässt frei» von Robert Betz gelesen hat, weiss genau, was ich meine. Und dennoch erlebe ich oft, dass viele sich schwer tun, Beziehungen und Freiheiten unter einen Hut zu bringen.


Man kann sehr wohl beides haben, wenn es auch beide wollen. Wenn sich zwei völlig unabhängige, bewusste und zufriedene Individuen treffen, weiterhin ihr eigenes Leben leben und geniessen, wissen, was ihnen gut tut und sich ergänzen und bereichern, kann man sehr wohl in einer festen Partnerschaft frei sein. Ich behaupte, man braucht diese Freiheit sogar, dass es auf Dauer klappt. Betz bringt es in oben genannten Buch ziemlich gut auf den Punkt: «Und so wie Sonne und Erde gebührenden Abstand zueinander halten, sich im Frühjahr und Sommer einander nähern und sich im Herbst und Winter wieder voneinander entfernen, so ist auch zwischen Frau und Mann ein grundlegender Abstand notwendig, damit sich beide in Bewunderung anschauen und sich respektieren, achten und würdigen können. [...] Eine gesunde Distanz zwischen Frau und Mann ist für die Liebe unabdingbar.» Eine solche Beziehung erfordert als Grundlage erstmal die Liebe zu sich selbst. Denn wie soll dich jemand lieben können, wenn du dich selbst nicht liebst? Aber dazu ein andermal mehr.


Um den Kreis zu schliessen, Freiheit fühlt sich in jeder Hinsicht gut an, erfordert aber meistens Mut und Überwindung.