Kolumne I - Mutausbruch

«Die besten Geschichten beginnen mit Mut.» liest und hört man überall. Für mich hat sich diese Aussage nun doch schon mehrmals bewahrheitet. Der Weg dahin, dass ich gerade hier sitze und diese Zeilen tippe, hat mich sehr viel Mut gekostet.

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Wie jedermann da draussen plagen mich Selbstzweifel. Ist das, was ich schreibe wirklich gut genug? Wollen die Leute so was lesen? Interessiert jemand, was ich zu erzählen habe? Wie das Wort «Selbstzweifel» schon offenlegt, kommen diese Zweifel ganz oft zuerst von einem selbst.
Mein schärfster Kritiker bin ich. Oh ja, wie wahr. Bevor ich endlich ins Machen komme, werden in meinem Kopf unzählige Gedanken und Szenarien durchgespielt. Dann setze ich mich nochmals hin und bastle an etwas herum, dass seinen Zweck eigentlich schon lange erfüllt hat, für mich aber noch nicht perfekt genug ist. Meine Gedanken zum Perfektionismus und dem «genug sein» werde ich noch in einen anderen Text packen, ist nämlich auch sehr interessant.

Seit gut einem Jahr habe ich mit dem Schreiben begonnen, vorerst einfach für mich. Nach einer Weile habe ich den nächsten Schritt gewagt und meine Bilder in Instagram mit meinen Gedanken angereichert. Und siehe da, das kam nicht schlecht an. Gar nicht wenig erhalte ich persönliche Nachrichten von sehr unterschiedlichen Menschen, denen ich mit meinen Texten aus dem Herzen schreibe. Bei jedem dieser Schritte bin ich an und teilweise sogar über meine Grenzen gegangen, das hat mich immer wieder sehr viel Überwindung und Mut gekostet.

Jeder kennt es, wenn das Herz so richtig klopft, die Wangen rot anlaufen und der Kopf ganz heiss wird. Dann wagt man etwas, von dem man den Ausgang nicht kontrollieren kann. Dabei handelt es sich meist um Herzensangelegenheiten, die man einfach tun «muss», sonst würde man sich ja freiwillig nicht in diese Lage bringen. Mut und Verletzlichkeit stehen sich sehr nah. Sei es am Ende eines Seminars, eine vermeintlich dumme Frage zu stellen, als Erstes in der Beziehung «Ich liebe dich» zu sagen oder sich einfach so zu zeigen, wie man ist. Dabei zeigen wir uns verletzlich und bieten Angriffsfläche. Was uns so fühlen lässt, ist die Angst vor dem Scheitern, die Angst vor den Meinungen anderer, die Angst vor Scham und die Angst verletzt zu werden.

Eine Studie von Dr. Brene Brown hat gezeigt, dass Menschen die aus vollem Herzen und erfüllt leben, gelernt haben, Verletzlichkeit in ihrem Leben zuzulassen und zu integrieren. Das Gefühl der Verletzlichkeit ist für sie nicht schöner oder angenehmer als für die anderen. Aber es wird nicht als etwas Unerträgliches empfunden. Diese Menschen sehen Verletzlichkeit einfach als einen ganz normalen und notwendigen Bestandteil des Lebens an. Und sie glauben, dass das, weshalb sie sich verletzlich fühlen, letztendlich auch das ist, was sie als Mensch authentisch, schön und wertvoll macht.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in ein paar Jahren schmunzelnd auf meinen ersten Text zurückblicken werde. Aber der Mut, diesen Schritt zu machen, öffnet einerseits mir selber neue Türen und lässt mich Verletzlichkeit in mein Leben integrieren. Vielleicht kann ich aber auch euch dazu bewegen, mutig zu sein, an und über eure Grenzen zu gehen und einmal für euch selber einzustehen. Denn ganz ehrlich, was kann dabei schon passieren?